Es war einmal…. Das Schreibtelefon

Erinnern Sie sich noch, wie Hörgeschädigte in den Mitte 1970igern in die Ferne kommunizierten?

Die Gebärdensprache ist für Ferngespräche denkbar ungeeignet, öffentlich nutzbares Internet und Messenger standen noch nicht zur Verfügung. So entwickelt sich aus dem, seinerzeit in der Industrie verbreiteten, Fernschreiber später ein neues Gerät: Das Schreibtelefon.

Damit waren aber dennoch einige Schwierigkeiten verbunden: Woher weiß ein Hörgeschädigter, dass sein Telefon klingelt denn er hört es nicht… Somit musste auch ein Lichtsignal her, welches erkennbar macht, dass gerade ein Telefonanruf eingeht. Das entsprechende Gerät gab es auch im Zubehör.

Wie funktionierte das Gerät? Bei eingehenden Anruf hob man den Hörer des Telefons ab und legte ihn auf vorgesehene „Muscheln“, die das Mikrofon und den Hörer-Lautsprecher des Telefonhörers aufnahmen und konnte dann erwartungsvoll auf eine Nachricht auf dem Display hoffen und anschließen über die eingebaute Tastatur, ähnlich einer Schreibmaschine (wer weiß noch was das ist?), Buchstabe für Buchstabe zur Antwort eintippen.

Für die Kommunikation untereinander war dies eine fortschrittliche Möglichkeit eine hochmoderne Angelegenheit. Da das Telefonnetz und die Zulassung seinerzeit noch stark von der Deutschen Bundespost reglementiert war, konnte dies gut funktionieren. Spätestens in den 1980igern kamen die ersten zugelassenen und durch den freien Markt verkäuflichen Design-Telefone auf den Markt, die dann fast durchgehend aufgrund der Form ungeeignet für Schreibtelefone waren. Dieser und viele andere Gründe sorgte dafür, dass Schreibtelefone nur selten bei Behörden eingesetzt wurden und die Kommunikation mit der Außenwelt für Hörgeschädigte noch immer eine große Herausforderung. Auch die Bereitstellung einer eigenen Telefonleitung für Schreibtelefon in Behörden war alles Andere als selbstverständlich.

Zwischenzeitlich zogen in den Ende 1980igern die ersten Faxgeräte und sogar tragbaren Faxgeräte in die Haushalte ein und machten zwar keinen echten Dialog möglich, aber umfangreichere Texte zu übermitteln war nun erstaunlich komfortabel. Erst gegen Mitte/Ende der 1990iger wurde dann das Handy einigermaßen bezahlbar und brachte die SMS mit. Parallel kam langsam das Internet in Bewegung, wenngleich viel Technik (Modem, PC und Monitor) erforderlich waren, um mit dem neuen Mittel Messenger Kommunikation möglich zu machen. Die eMail fand ebenso Einzug in die Welt Hörgeschädigter. Eine schöne und nicht schlechte Nischenlösung war die Videophonie über ISDN, die keinen echten Standard fand und heute als „Nachfolger“ Bestandteil von Messengern ist…

 

#red

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